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Belle Epoque

Über seiner Laufbahn lag der Schatten der deutsch-französischen Erzfeindschaft. Théodore Gouvy (1819-1898), im Saarland und in Lothringen aufgewachsen, konnte er nicht in Paris studieren, da er erst mit 32 Jahren französischer Staatsbürger wurde. Privat erwarb er sich die Voraussetzungen für sein umfangreiches musikalisches Schaffen, das in Deutschland mehr Erfolg hatte als in Frankreich, doch auch hier weitgehend vergessen wurde.

Jetzt hat die in Venedig ansässige Musikstiftung Bru Zane eine Gouvy-Renaissance initiiert, unter anderem mit einer Einspielung von drei seiner Klaviertrios durch das italienische Ensemble Voces Intimae, das auf historischen Instrumenten den dunkleren, teils weicheren, teils raueren Klang und die musikalische Rhetorik der Romantik wiederbelebt. Zu entdecken ist kein Neuerer, aber ein Grenzgänger mit eigenständiger und reizvoller Handschrift: Zum unüberhörbaren Einfluss Felix Mendelssohns und Robert Schumanns gesellen sich französische Eleganz, Inspiration durch italienische Opernmelodien und die atmosphärische Vorahnung der Belle Epoque (Challenge Classics).

SZ vom 19.02.2013